Ein Relaunch ist der Moment, in dem Websites am häufigsten Sichtbarkeit verlieren. Nicht weil die neue Seite schlechter wäre – sondern weil beim Umzug Dinge verloren gehen, die niemand auf der Rechnung hatte.
Kurz gesagt: Der größte Fehler sind fehlende Weiterleitungen. Wer URLs ändert, ohne die alten per 301 auf die neuen zu leiten, verliert typischerweise 40 bis 80 Prozent des organischen Traffics – und merkt es erst zwei bis vier Wochen später.
Vor dem Relaunch
1. Alles dokumentieren, was du hast
Bevor irgendetwas angefasst wird:
- Vollständige Liste aller bestehenden URLs exportieren
- Aktuelle Platzierungen und Besucherzahlen festhalten – sonst kannst du später nicht beurteilen, ob der Relaunch geholfen oder geschadet hat
- Die 20 stärksten Seiten identifizieren. Diese Seiten brauchen besondere Aufmerksamkeit
- Eingehende Links prüfen: Welche externen Seiten verlinken auf welche URL?
2. Die Weiterleitungsliste bauen
Für jede alte URL muss feststehen, wohin sie zeigt. Drei Regeln:
- Immer auf die inhaltlich passende neue Seite, nicht pauschal auf die Startseite. Massenweiterleitungen auf die Startseite wertet Google als Soft-404 und ignoriert sie.
- Immer 301 (dauerhaft), nicht 302.
- Keine Ketten: alt → neu, nicht alt → zwischendurch → neu.
3. Inhalte nicht ungeprüft wegwerfen
Die häufigste Verlustquelle nach fehlenden Weiterleitungen: Beim Relaunch wird „aufgeräumt“, und dabei verschwinden Unterseiten, die seit Jahren still und zuverlässig Besucher bringen. Vor dem Löschen immer prüfen, was eine Seite tatsächlich leistet.
4. Vorab testen
Auf einer Testumgebung, die für Suchmaschinen gesperrt ist. Und – das wird regelmäßig vergessen – diese Sperre vor dem Livegang wieder entfernen. Eine neue Website, die monatelang auf noindex steht, ist ein Klassiker.
Am Tag des Umzugs
- Weiterleitungen aktivieren und stichprobenartig selbst aufrufen. Nicht nur konfigurieren – testen.
noindexentfernen und dierobots.txtprüfen.- Neue Sitemap erzeugen und in der Search Console einreichen.
- Tracking und Conversion-Messung testen. Formulare wirklich abschicken, nicht nur anschauen.
- SSL prüfen, inklusive Weiterleitung von http auf https und von www auf die Hauptdomain (oder umgekehrt).
- Ladezeiten messen. Eine neue Seite ist nicht automatisch schneller – große Bilder und zusätzliche Skripte machen sie oft langsamer.
In den ersten vier Wochen
Jetzt entscheidet sich, ob der Relaunch gelingt.
- Täglich: Search Console auf 404-Fehler prüfen. Jede gemeldete URL ist eine vergessene Weiterleitung.
- Wöchentlich: Platzierungen mit dem Stand vor dem Relaunch vergleichen. Ein leichter Rückgang in den ersten zwei Wochen ist normal. Ein Einbruch über 20 Prozent ist ein Alarmsignal.
- Laufend: Prüfen, ob Formulare und Anfragen tatsächlich ankommen. Ein Kontaktformular, das ins Leere läuft, fällt sonst erst auf, wenn sich ein Kunde beschwert, dass er nie eine Antwort bekam.
Erfahrungswert: Ein sauber durchgeführter Relaunch zeigt nach vier bis acht Wochen wieder das Ausgangsniveau und danach eine Verbesserung. Wer nach acht Wochen noch deutlich darunter liegt, hat ein technisches Problem – kein Geduldsproblem.
Die fünf Fehler, die wir am häufigsten sehen
- Keine Weiterleitungen, weil „die URLs sind ja fast gleich“. Fast gleich ist nicht gleich.
- noindex vergessen zu entfernen. Kostet jeden Tag Sichtbarkeit und fällt oft wochenlang nicht auf.
- Bilder in Originalgröße eingebunden. Ein 4-MB-Foto als Hintergrund macht jede Optimierung zunichte.
- Tracking nicht übernommen, dadurch fehlen die Vergleichsdaten genau dann, wenn man sie braucht.
- Zu viel gleichzeitig geändert. Neues Design, neue Struktur, neue Domain und neues Hosting in einem Schritt – wenn etwas schiefgeht, weiß niemand was.
Vorher den Ist-Zustand festhalten
Bevor du anfängst, solltest du schriftlich haben, wo du stehst. Unser Website-Schnellcheck prüft 21 technische Punkte und gibt dir eine Bewertung – mach ihn vor dem Relaunch und danach noch einmal. Dann hast du einen Vorher-Nachher-Vergleich, der sich nicht wegdiskutieren lässt.
Wenn du den Relaunch lieber abgeben willst: So gehen wir dabei vor. Oder ruf einfach an.
Nein. Kurzfristige Schwankungen in den ersten zwei bis vier Wochen sind normal, weil Suchmaschinen die neue Struktur erst erfassen müssen. Dauerhafte Verluste entstehen fast immer durch konkrete Fehler: fehlende Weiterleitungen, gelöschte Inhalte oder eine vergessene Indexierungssperre.
Mindestens ein Jahr, besser dauerhaft. Suchmaschinen übertragen die Bewertung der alten URL erst nach mehreren Besuchen vollständig. Außerdem existieren externe Links, Lesezeichen und Verzeichniseinträge oft noch Jahre später. Weiterleitungen kosten nichts und können einfach bestehen bleiben.
Früh in der Woche und früh am Tag. Dann ist bei Problemen noch Zeit, zu reagieren, und alle Beteiligten sind erreichbar. Ungünstig sind Freitagnachmittage und die Zeit vor Feiertagen. Ebenfalls zu vermeiden: Phasen mit saisonalem Höchstgeschäft.
Wenn es sich vermeiden lässt, nicht gleichzeitig. Ein Domainwechsel ist für sich genommen schon ein Eingriff, der Zeit zur Neubewertung braucht. In Kombination mit neuem Design und neuer Struktur wird im Problemfall nicht mehr erkennbar, welche Änderung die Ursache war. Besser nacheinander, mit einigen Wochen Abstand.